Selbstorganisation fördern statt verhindern

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Viele Führungskräfte meinen, der Weg eines Teams in die Selbstorganisation ist ein Selbstläufer. Daraus resultieren Verhaltensweisen, die die Mitarbeitenden verunsichern und daran zweifeln lassen, dass Selbstorganisation tatsächlich gewollt ist. Diese vier Maßnahmen helfen Führungskräften dabei, Selbstorganisation zu fördern statt zu verhindern:

1. Das Team eigene Erfolgskriterien defnieren lassen

Selbstorganisation erfordert Selbstkontrolle. Und die Basis dafür ist das Wissen darum, was gut, richtig und gewollt ist. Besteht darüber jedoch Unklarheit, passiert Folgendes: Die Mitarbeitenden versuchen zu ergründen, wie ihre Führungskraft über „gut“, „richtig“ und „gewollt“ denkt. In hierarchischen Zeiten machte das durchaus Sinn. Wenn Mitarbeitende aber ihre eigenen Entscheidungen fällen sollen, lenkt das Herumrätseln, was die Führungskraft will, davon ab, was der eigentliche Maßstab für gute Entscheidungen sein sollte: die Sache und der Kunde. Deswegen sollte die Führungskraft darauf achten, dass das Team die Kriterien, an denen es seine Arbeit ausrichten und messen will, frühzeitig selbst erarbeitet (z.B.: Was verstehen wir unter Erfolg? Warum ist uns das wichtig? Woran wollen wir das festmachen?). Ihre eigenen Vorstellungen können – und sollten – Führungskräfte dabei durchaus mit auf den Tisch legen.

2. Regeln für Entscheidungsprozesse festlegen

Führungskräften fällt es oft schwer, aus ihrer Rolle als bester Fachexperte, beste Fachexpertin im Team herauszukommen. Manche versuchen ihren Einfluss zwar anders zu verpacken, z.B. indem sie versuchen, die Mitarbeitenden mit Fragen in eine bestimmte Richtung zu leiten. Doch auch auf diese Art insistiert die Führungskraft. Wenn das verhindert werden und ein Team wirklich selbst entscheiden soll, braucht es klare Entscheidungsregeln. Bewährt haben sich im Rahmen der Selbstorganisation besonders zwei Formate:
Der Beratungsprozess nach Frederic Laloux, nach dem jeder bzw. jede im Unternehmen (operative) Entscheidungen unter einer Voraussetzung treffen darf: Er oder sie hat sich vorher intensiv beraten – mit den Experten im Unternehmen zu diesem Thema und mit den Menschen, die die Entscheidung umsetzen müssen.
Der Konsent. Eine Entscheidung tritt dann in Kraft, wenn es keine – oder nur noch schwache – Einwände dagegen gibt. Und jeder, der einen Einwand vorbringt, hat auch die Verantwortung, mit neuen Vorschlägen an der Verbesserung der Entscheidungsvorlage zu arbeiten.

3. Für eine klare Rollenverteilung sorgen

Das Problem, dass Führungskräfte in die alte Rolle des Entscheiders zurückfallen, lässt sich zudem dadurch begrenzen, dass im Team vollkommen klar ist, wer wofür die Verantwortung übernimmt. Dabei ist es sinnvoll, nicht mehr Aufgaben zu verteilen oder Stellen zu beschreiben, sondern Rollen zu definieren. Die zentrale Frage lautet: Wer hat für was zu sorgen? DieAufgabe der Führungskraft besteht dann nicht etwa darin, sich vollkommen aus dem Geschehen zurückzuziehen oder ein Teil des Teams wie alle anderen zu sein: Auch das ist ein unter Führungskräften weit verbreitetes Missverständnis. Die Führungskraft hat vielmehr eine spezielle Rolle: Sie ist der Dienstleister des Teams. Sie entlastet das Team durch die Übernahme verschiedener Rollen – beispielsweise der des Strukturentwicklers, des Teamentwicklers, des Personenentwicklers und des Geschäftsentwicklers.

4. Da sein und Sicherheit geben

Wenn Führungskräfte meinen, dass es unter Bedingungen selbstorganisierten Arbeitens keiner Führung mehr bedarf, liegen sie falsch. Insbesondere auch deshalb, weil das Empfinden von Sicherheit ein sehr wichtiger Faktor ist, wenn Selbstorganisation gelingen soll. Nach wie vor hat die Führungskraft dafür Sorge zu tragen, dass eine sichere Teamatmosphäre entstehen kann. In einem klaren und sicheren Rahmen fällt es den meisten Menschen leichter, sich voll und ganz einbringen, offen ihre Meinung zu äußern, Fragen zu stellen, intelligente Risiken einzugehen und Fehler zuzugeben. Dazu gehört die Etablierung einer guten Kultur im Umgang mit Fehlern ebenso wie die Stärkung der sozialen Beziehungen untereinander.

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