New Work: Chancen & Risiken

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Dass „New Work“ kein vorübergehender Hype hipper Startups ist, wird immer spürbarer. Die Arbeitswelt befindet sich unter dem Einfluss von Digitalisierung und Postwachstumsbewegungen im fundamentalen Wandel.
Doch was genau steckt hinter diesem Megatrend? Welche Chancen sind damit verbunden? Und was sind die Risiken von New Work?

Was ist New Work – und was ist es nicht?

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: New Work ist mehr als die gegenwärtige Debatte über Home Office oder Remote Work. New Work bedeutet auch nicht, das eigene Leben und die Arbeitsumgebung nach Gran Canaria oder in die Schweizer Berge zu verlegen und dabei zeitlich völlig flexibel zu sein – auch wenn es als ein Teil davon verstanden werden kann.

New Work hat viel mehr mit einem neuen Arbeits- und Menschenbild zu tun. Der Mensch ist in der neuen Welt immer weniger Tool und Ressource der Arbeitswelt. Er nutzt umgekehrt die Arbeit für sein Leben und für seine Selbstverwirklichung. Gerade bei den Bürojobs hatte die Pandemie oftmals für ein komplettes „Reset“ gesorgt und neue Fragen gestellt: Wer möchte ich in der Arbeitswelt sein, wie kann ich hier wirken? Wie kann ich meine Arbeit so gestalten, dass sie wirklich zu mir und zu meinen Bedürfnissen passt? Wie gelingt es, trotz meiner Verpflichtungen selbstbestimmter zu leben? Der Fokus wird vermehrt auf Aspekten wie ausreichend Freiraum für eigene Projekte, gesunden Ausgleich und freiwilliger Betätigung liegen.

Chancen von New Work – vier Thesen

1. Die Sinnfrage wird zentral.

New Work bietet die Chance, persönliche Potenziale und Neigungen zu entfalten. Denn in Zukunft wird eine Vielzahl anstrengender, monotoner und repetitiver Vorgänge von Maschinen erledigt. Damit rücken urmenschliche Fähigkeiten wie Kreativität und Empathie wieder in den Fokus. Das Lösen von Zukunftsaufgaben bestimmt das Tun und stiftet einen neuen Sinn von Arbeit.

2. Die 30-Stunden-Woche wird die neue Vollzeit.

Skandinavische Länder leben in Sachen Arbeitszeit schon heute das Arbeitsideal der Zukunft: Weniger ist mehr. Arbeitszeit wird nicht mehr als Wochenkontinuum verstanden, sondern als flexibles Kontingent, das sich individuellen Situationen und Lebensphasen anpassen kann. Die 30-Stunden-Woche als Vollzeit macht mitunter produktiver und lässt Krankenstände schrumpfen.

3. Remote Work macht das Büro attraktiv.

Während Remote Work von konzentrierten Deep-Work-Phasen geprägt ist, wandelt sich das Büro der Zukunft vom Arbeitsort zum Hub für Co-Creation und Co-Working, für reale zwischenmenschliche Beziehungen und echte Unternehmenskultur. Das Büro der Zukunft ist der Ort, an dem Unternehmenswerte gelebt werden, Wir-Gefühl entsteht und an dem gemeinsam Neues geschaffen wird.

4. Work-Life-Blending ersetzt Work-Life-Balance.

Die ewige Suche nach der Balance zwischen Arbeit und Freizeit war stets konfliktbehaftet, denn irgendwas kommt immer zu kurz. Work-Life-Blending entzerrt diese Konflikte: Wo die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verschwindet, können persönliche Bedürfnisse im Tagesverlauf besser berücksichtigt werden. Das schafft nicht nur Entspannung und mehr Lebensqualität, sondern steigert auch die Freude an der Arbeit.

Die Chancen von New Work für Arbeitnehmende liegen auf der Hand: Größere Freiräume und Handlungsmöglichkeiten, bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, flexible Anpassung der Arbeitsbedingungen, transparente Kommunikation, Stärkerer Teamgedanke.

Risiken von New Work

Da digitale Technologien einen so großen Teil der neuen Arbeitsformen einnehmen, ist es erforderlich, sich stetig mit den neuen Entwicklungen auseinander zu setzen. Für die Generation Y und Z mag das kein allzu großes Problem sein. Für Vertreter anderer Generationen oder weniger Technik-affine Menschen kann jedoch dieser Zwang zur Nutzung immer neuer digitaler Tools großen Druck aufbauen.

Mitarbeitende des New Work brauchen deshalb einen resilienten Umgang mit digitalem Stress. Das gilt nicht nur für die „reiferen Semester“. Denn auch bei den sogenannten „Digital Natives“ kann die Nutzung digitaler Möglichkeiten ebenfalls zu Stress führen. Es braucht seitens des Unternehmens eine intelligente und sensible Planung und Führung, um New Work Maßnahmen nachhaltig für die Beteiligten zum Erfolg zu bringen.

Ein weiterer Nachteil der New Work ist das Verschwimmen von Berufs- und Privatleben. Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance kann mehr Fluch als Segen werden, wenn angemessene Regeneration fehlt und die ständige Erreichbarkeit belastet. Auch die Rollenklarheit leidet, wenn Job und Freizeit kollidieren. Hierfür ist ein gutes Zeit- und Selbstmanagement wichtig. Das heißt, Mitarbeitende müssen sich auf der einen Seite selbst motivieren und auf der anderen Seite auch selbst bremsen können, um Gesundheit zu fördern.

Resilienz stärken in der neuen Arbeitswelt

Während wir unsere digitalen Muskeln stärken, müssen wir dringend darauf achten, unsere psychische Widerstandskraft zu stärken. Psychische Resilienz ist das, was körperliche Fitness für Athleten ist. Wer sich gezielt vorbereitet und eine bessere Technik hat, ist im Vorteil. Menschen mit guter Medien- und Selbstführungskompetenz haben es leichter und bleiben gesünder und leistungsfähiger.

Neben der Stärkung der persönlichen Resilienz ist es für Unternehmen essentiell, auch auf organisationaler Ebene Resilienz zu verankern. Es braucht dringend (neue) intelligente Systeme und besonders auch fähige Führungskräfte, die nicht nur selbst dem steigenden Druck standhalten können, sondern die auch dafür sorgen können, dass ihre Mitarbeiten gesund und leistungsfähig bleiben. In einem speziellen Resilienz-Programm für Führungskräfte kann diese Kompetenz erworben und trainiert werden.

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