Digitale Revolution und Werteorientierung

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Vor wenigen Tagen fand in Karlsruhe der „Kongress christlicher Führungskräfte“ (KCF) statt. Der größte Wertekongress in Europa mit über 3.200 Teilnehmern bot Verantwortungsträgern reichlich Gelegenheit, sich über die Umsetzung christlicher Werte im Berufsleben auszutauschen, Fragen ethischen Handelns zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Schwerpunkte in diesem Jahr: Die Auswirkungen der Digitalisierung sowie eine christlich gelebte Führungshaltung in Zeiten des digitalen Wandels. Im folgenden ein Einblick in ausgewählte Themen und Statements:

Ethische Grenzen setzen
Christen sollten sich bei der Digitalisierung einmischen. Der Unternehmer Friedhelm Wachs ermutigte dazu, aktiv die Zukunft mitzugestalten. „Digitalisierung ist global, sie entwickelt sich exponentiell schnell und sie betrifft alle Lebensbereiche“, erklärte Wachs. Christliche Verantwortungsträger seien deswegen gefordert: „Wir müssen uns dafür einsetzen, der Künstlichen Intelligenz ethische Grenzen zu setzen.“ Als ein Beispiel nannte Wachs den Einsatz von Robotern in der Pflege kranker Menschen: Wenn ein Roboter einen Kranken betreue, sollte er dies liebevoll tun, ohne vorgeben zu wollen, ein Mensch zu sein. „Menschliche Zuwendung ist eine Aufgabe von uns, die wir nicht delegieren können.“

Die Erde bewahren
Thomas Schimmel, seit 1996 Professor am Karlsruher Institut für Technologie, erklärte, warum er die Forschung, beispielsweise in den Bereichen Umwelt und Informationsverarbeitung, als Teil von Gottes Auftrag an die Menschen betrachte, die Erde zu bewahren: „Es wäre unverantwortlich nicht zu forschen. Aber nicht alle Probleme dieser Erde sind mit Forschung zu lösen oder überhaupt von Menschen zu lösen. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“ Bei einer seiner weiteren Thesen orientierte er sich an Max Planck, Begründer der Quantentheorie: „Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen und bedingen einander.“

Das „richtige“ Glück erstreben
Manfred Lütz, Psychotherapeut, Vatikan-Berater und Bestseller-Autor sprach zu dem Thema „Wie sie unvermeidlich glücklich werden“. Mit diesem ironischen Titel wollte Lütz seinen Zuhörern natürlich gerade nicht eine Anleitung zum vermeintlichen Glück geben, nach Machart der zahllosen Ratgeber auf dem Buchmarkt. Lütz setzte diesem falschen Glücksstreben vielmehr den christlichen Ansatz gegenüber. Wie der aussieht, verdeutlichte er etwa am Beispiel Erfolg: Christen sollten danach streben, die Fähigkeiten, die sie von Gott bekommen haben, umzusetzen, ihren Talenten zu folgen. Ob dieses Handeln dann aber tatsächlich zu Erfolg führe, sei letztlich von vielen zufälligen Faktoren abhängig. Sein historisches Beispiel: Vincent van Gogh. Der Maler sei zu Lebzeiten vollkommen erfolglos gewesen und habe keine Bilder verkauft. Trotzdem habe er sein künstlerisches Talent umgesetzt und habe doch sicherlich ein gutes Künstlerleben geführt.

Zur Besinnung kommen
Er war ein Top-Manager, wurde wegen Veruntreuung verurteilt, kam ins Gefängnis und entdeckte dort den Glauben an Gott: Thomas Middelhoff erklärte, dass er 40 Jahre lang eine Rolle gespielt habe. Darüber habe er sich selbst verloren. Er sei in seinem Leben „total gescheitert – eigentlich in allen Richtungen, die man sich vorstellen kann“. Rückblickend auf seine Zeit als Manager sagt er: „Ich war im Kern ein unglücklicher Mensch.“ Er habe sich verstellt. Die Freiheit genommen zu bekommen, war für ihn ein schwerer Einschnitt im Leben. „Ich brauchte diesen Einschnitt, um zur Besinnung zu kommen.“

„Du-Orientierung“ leben
Der emeritierte Theologieprofessor Hans-Joachim Eckstein erläuterte, wie wichtig Wertschätzung, Sanftmut und Vergebungsbereitschaft gerade in der Führung sind. Als wesentliche Merkmale christlicher Führung nannte er eine konsequente „Du-Orientierung“ und ein klares Führungsziel. Eckstein benannte auch das Führungsprinzip, Mitarbeiter so zu fördern, dass diese sich entfalten könnten. Schließlich wies er darauf hin, dass Chefs ihre Berufung klar sein müsse: Es könne nicht jeder alles tun, sondern nur das, wozu er berufen sei. Dies gelte auch ganz klar für den Führungsauftrag.

 

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