Agile Organisationsmodelle

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Agile Organisationsmodelle wie Scrum sind in aller Munde – warum und wozu? Heute kämpfen immer mehr Organisationen mit gestiegener Dynamik und wachsender Komplexität. Die VUKA-Welt, in der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zu bestimmenden Phänomenen geworden sind, bringt Menschen und Systeme an die Grenzen ihrer Belastbarkeit: Mitarbeiter und Führungskräfte klagen über die steigende Informationsflut, zähe Entscheidungsprozesse und langwierige Innovationszyklen. Die Ursache für solche Probleme scheint auf der Hand zu liegen: Klassische Hierarchien sind zu starr. Dagegen gelten moderne Organisationsformen als Patentlösung im volatilen und komplexen Wettbewerb. Ganz so einfach ist es nicht? Richtig. Jedoch gibt es Modelle für mehr Flexibilität und Klarheit in Organisationen.

Zwei einschlägige agile Organisationsmodelle sind: Holokratie und Soziokratie. Beide bieten ein stabiles Gerüst, in dem sich unternehmerisches Potential in Selbstorganisation entfalten kann. Beide Ansätze beruhen auf ähnlichen Gestaltungsprinzipien und Wirkungsweisen. Dennoch gibt es einige Unterschiede.

Soziokratie

Die Soziokratie geht bei der Steuerung von Unternehmensentscheidungen davon aus, dass alle Beteiligten gleich sind. Dabei geht es nicht wie in der Demokratie um Mehrheiten, sondern um das Finden machbarer Lösungen. Entscheidung ist getroffen, sobald kein ernstes Gegenargument mehr vorliegt. Die Methode fordert ein hohes Maß an Eigenmotivation, ein kooperatives Miteinander und konsequente Selbstverantwortung. Sie argumentiert mit den Vertretern der Generation Y, dass Arbeit einen hohen Stellenwert beim Mitarbeiter hat und wichtige Quelle von Selbstzufriedenheit und Selbstverwirklichung ist. Ein Buch, das den Generationen-Ansatz und soziokratische Methoden gut beschreibt ist Management Y. Es werden dort Scrum, Design Thinking und weitere Methoden vorgestellt mit denen der Wandel zur attraktiven und zukunftsfähigen Organisation gelingen soll.

Holokratie

Holocracy ist (als rechtlich geschützter Begriff) ist ein Regelwerk zur permanenten Weiterentwicklung von Struktur und Zusammenarbeit einer Organisation. Im Ergebnis entsteht eine flexible Organisation mit verteilten Autoritäten. Dabei werden jedoch Zuständigkeiten und Befugnisse in Rollenbeschreibungen explizit festgehalten, nur nicht auf Dauer. Mit einem definierten Entscheidungsprozess werden in regelmäßigen Meetings die Rollen und Regeln an aktuelle Anforderungen angepasst. Weitere Meetings dienen zur Abstimmung operativer Angelegenheiten in selbstorganisierten Teams. Neben diesen Kernmerkmalen gibt es Regeln zur individuellen Aufgabenpriorisierung, Regeln zur Eskalation bei Systemversagen und Regeln zum Brechen von Regeln. Holacracy heißt also nicht mehr Freiheit von Regeln, sondern Regeln für mehr Freiheit. Die Umstellung auf ein holokratisches Unternehmen  kann je nach Reife und Größe eines Unternehmens zu einem schwierigen Unterfangen werden. Das Standardwerk zu diesem Ansatz ist ausführlich im Buch Holocray von Brian J. Robertson beschrieben.

Wesentliche Unterschiede 

Die Holokratie erscheint strukturierter. Dagegen ist die Sozikratie diesbezüglich nicht festgelegt. In vielen Aspekten ist sie „offener“, d.h. der jeweilige Kreis muss entscheiden, wie etwas innerhalb des Kreises gehandhabt werden soll. Der große Unterschied liegt also in der etwas stärkeren Struktur von Holacracy gegenüber der Soziokratie. Zum Vergleich: Holacracy ist ein neues Framework, welches Zertifizierungen über eine Dachorganisation anbietet. Soziokratie gibt es dagegen seit über 40 Jahren und beinhaltet keine offizielle Zertifizierung.

Gemeinsame Gestaltungsprinzipien

#1  Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit statt fixierter Strukturen

#2 Verteilte Autorität statt einigen wenigen Entscheidungsträgern

#3 Permanente kleine Verbesserungen statt gelegentlicher „großer“ Change-Projekte

Aktuell experimentieren etablierte Unternehmen und junge Start-ups mit der Kombination von soziokratischen Formaten und holokratischen Strukturen. Beide Methoden können sich gut ergänzen. Es bleibt spannend, die weitere Entwicklung zu beobachten und mitzugestalten.

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