Achtsamkeit im digitalen Zeitalter

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Im digitalen Zeitalter sind derzeit zwei gegensätzliche Trends zu beobachten: Einerseits der Trend zur Digitaleuphorie. Andererseits das Gegenmodell der Achtsamkeit. Fazit: Auf der einen Seite gilt es, die Chancen technischer Errungenschaften sinnvoll zu nutzen. Auf der anderen Seite ist es für uns Menschen unabdingbar, auf ethische wie persönliche Grenzen zu achten und uns unserer Freiheit und Würde nicht berauben zu lassen.

Die digitale Welt hat Nebenwirkungen

Facebook, Google, WhatsApp. Drei Namen, die stellvertretend dafür stehen, inwieweit das Netz unser tägliches Leben beherrscht. Seit der Digitalisierung und dem Aufkommen sozialer Netzwerke, Darstellungsplattformen wie Instagram oder Kurznachrichtendiensten hat die Gesellschaft eine große Anzahl ihrer Aktivität ins „Online“ verlagert. Was die neuen Technologien und permanente Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Menschen und dessen Gehirn anstellen, erklärt der Neurobiologe Bernd Hufnagl in seinem Buch „Besser fix als fertig“: „Die digitale Welt ist weder krankmachend, noch im Prinzip was Schlechtes, aber sie hat Nebenwirkungen“.

Die Fragmentierung des Wissens

Dabei geht es insbesondere um die zwanghafte Sorge, eine soziale Interaktion oder ungewöhnliche Erfahrung zu verpassen. Man „checke quer“ während man sich mit einem Thema befasse. Beispiele dafür: ein kurzes Googeln zu einer Fragestellung während einer politischen TV-Diskussion oder ein Kommentar per Nachrichtendienst. „Es herrscht eine Gier nach der Information. Man denkt, man sei auf ausschließlich ein Thema konzentriert. Leider verpasst man dabei aber tatsächlich einen Teil, während man Multitasking betreibt. Man hört etwa nicht alles, was in einer Nachrichtensendung im Fernsehen gesprochen wird. Auf diese Weise findet eine Fragmentierung der Wahrnehmung und damit des erworbenen Wissens statt“, so Hufnagl. Das gehe schlussendlich auf Kosten der Bildung.

Die Beeinträchtigung der Gesundheit

Aus einer Studie des Center for Disability and Integration der Universität St.Gallen geht hervor, dass die ständige Erreichbarkeit das Familienleben belasten und sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Laut Studienleiter Prof. Dr. Stephan Böhm geht die Digitalisierung der Arbeitswelt mit einer Reihe von Herausforderungen einher, darunter Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionaler Erschöpfung. „Außerdem hängen 18 Prozent aller Konflikte zwischen Arbeit und Familie mit der Digitalisierung zusammen.“

Achtsamkeit als Gegentrend zur Digitalisierung

Digital Detox ist einer der großen Trends der Gegenwart, der sich gegen die ständige Erreichbarkeit wendet. Durch die Reduzierung des Gebrauchs elektronischer Geräte soll die Trendwende zur Entschleunigung eingeläutet werden. Konzerne wie etwa die Volkswagen AG reagierten auf die Zunahme erschöpfungsbedingter Fehlzeiten damit, an Wochenenden und Feiertagen keine Mails mehr auf Diensthandys weiterzuleiten. In Achtsamkeitskursen lernen Manager darüber hinaus, den Augenblick bewusst wahrzunehmen, statt in Gedanken in die Zukunft zu hetzen, um ja nichts zu verpassen. Sie sollen lernen, auf das zu achten, was wirklich gerade passiert. Als achtsames, innovatives Format hat Bratzel Consulting das Führungscoaching in den Pfälzer Weinbergen entwickelt.

Von der Freiheit und den Grenzen

Um sich zu reflektieren und immer wieder zum eigenen Selbst zu finden sind regelmäßige Offline-Zeiten unabdingbar. Diese „Inseln“ braucht es, um über essentielle Dinge wie Arbeit, Partnerschaft oder Zukunft nachdenken zu können. Dazu dürfen wir immer mehr begreifen, welches Privileg wir als Menschen in diesen spannenden Zeiten haben: Einerseits unsere technischen Möglichkeiten zu nutzen und zu feiern – und uns jedoch andererseits (seelisch) nicht davon abhängig zu machen. Wir sind frei, zu entscheiden, was uns gut tut und zu unserem Besten dient! Und das bedeutet auch, uns bewusst richtige Grenzen zu setzen.
Timothy Keller, Theologe und Pastor, schreibt in seinem Buch „Berufung – eine neue Sicht auf unsere Arbeit“: „Freiheit ist nicht so sehr die Abwesenheit von Grenzen als vielmehr die Kunst, die richtigen Grenzen zu finden – die, die den Realitäten unseres eigenen Wesens und des Wesens der Welt entsprechen.“ Lassen Sie uns in diesem Sinne „digitale Künstler“ werden!

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