10 Agilitäts-Killer

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Was Sie unbedingt beachten sollten, um die – oft noch fragilen – agilen Ansätze komplett zu zerschlagen? Ja, Sie haben richtig gelesen. Anstelle zu reflektieren, was Agilität in Organisationen fördert, heute einmal ein anderer Blick, nicht ohne Augenzwinkern. Es geht um fatale Führungsfehler, die Mitarbeiter vom Mitdenken und Mitgestalten fern halten, demotivieren und Innovation verhindern.

Unsere 10 Agilitäts-Killer verstehen sich als eine offene Liste und beziehen sich insbesondere auf die Führungs- und Veränderungskultur. Einige dieser Agilitäts-Killer sind den „8 Regeln für totalen Stillstand“ von Professor Peter Kruse entlehnt (https://www.youtube.com/watch?v=4f_mIRrns2U). Diese „Unsitten“ der Führungspraxis wurden durch zwei weitere ergänzt, die aktuell stark zu beobachten sind.

#1  Halten Sie sich entweder komplett raus oder behalten Sie alles im Griff
Wenn möglich, sollten Sie sogar zwischen diesen beiden Extremen hin und her schwanken. Behalten Sie erst alles im Griff und geben Sie dann Ihrem Team plötzlich und ohne Vorwarnung die totale Entscheidungsfreiheit. Wenn Sie oft und am besten noch unbegründet zwischen diesen Extremen pendeln, sorgen Sie dafür, dass Ihr Team Sie bald nicht mehr ernst nehmen kann.

#2  Setzen Sie Gerüchte in die Welt und informieren Sie informell
Sorgen Sie für möglichst wenig offizielle Informationen und Statements – professionelle Unternehmenskommunikation ist Schnee von gestern. Äußern Sie sich über Ziele und anstehende Veränderungen häufig unbedacht und reden Sie in Rätseln. In der Kaffeeküche werden ihre Mitarbeiter sich dann schon selbst etwas zusammen reimen und gegebenenfalls wilde Verschwörungstheorien aufstellen.

#3  Beginnen Sie möglichst viele Veränderungen gleichzeitig
Sorgen Sie also für ständige Überforderung und verbreite große operative Hektik. Veränderungen sollten immer in Tages- oder Wochenmaßnahmen wiederzufinden sein – aber niemals in einer Monats- oder sogar Jahresmaßnahme, denn dann kann sich ja wirklich etwas ändern.

#4  Legen Sie Wert auf umfassenden internen Wettbewerb
Jeder Ihrer Mitarbeiter sollte wissen, dass bei Ihnen nur der Einsatzbereiteste „überleben“ wird. Dieser interne Wettbewerb führt dann zu sogenannten „Krabbenkörben“. Die Metapher der Krabbenkörbe beschreiben Sie in etwa das Verhalten: „Wenn ich es nicht haben kann, dann sollst du es auch nicht haben“.

#5  Finden Sie den Schuldigen und analysieren Sie jedes Problem bis ins kleinste Detail
Suchen Sie so lange nach den Schuldigen, stellen ihn anschließend an den Pranger und bestrafen sie ihn angemessen. Informieren Sie die gesamte Belegschaft von dem begangenen Fehler und starten Sie eine Task-Force, die untersucht, wie es genau zu diesem Fehler oder Versagen kommen konnte.

#6  Stellen Sie bestehende Regeln nie zur Debatte
Diskutieren Sie nie Sinn und Unsinn von bestehenden Regeln. Die Regeln wurden ja aus gutem Grund eingeführt – auch wenn diesen Grund heute keiner mehr kennt und er auch möglicherweise gar nicht mehr existiert.

#7  Treffen Sie Beschlüsse immer schnellstmöglich
Sorgen Sie für schnelles „Committment“ und lassen Sie möglichst viel ohne ausführliche Diskussion schnell abnicken. Denn dann können sich die Leute auch keine Gedanken über die Folgen machen. Spätestens wenn sie das Meeting verlassen haben nehmen Sie schon die ersten Beschlüsse wieder zurück. Führen Sie also auf formeller Ebene schnell Entscheidungen her und lassen diese dann später  – auf informeller Ebene – ausführlich diskutieren

#8  Beschließen Sie schneller als Ihr Team umsetzen kann
Die Veränderungsgeschwindigkeit auf der Beschlussebene sollte stets größer sein als die auf der Umsetzungsebene. Sorgen Sie also für maximale Beschlussdynamik bei minimaler Umsetzungsdynamik. Dann werden deine Mitarbeiter auch lernen, dass Veränderungen kommen und gehen und sie werden wahrscheinlich die sogenannte „BAW-Technik“ perfektionieren. BAW steht für Bend And Wait: Wenn Veränderungen kommen, dann biege dich beiseite, warte bis sie vorbeigeht und komme erst dann wieder hoch.

 #9  Benutzen Sie möglichst häufig das Buzzwort „agil“
Zeigen Sie, dass Sie mithalten und die „agile Welle reiten können“ und lernen Sie möglichst viele schlaue Vokabeln, die Sie als agilen Kenner auszeichnen. Bespielen Sie Ihre Profile in den sozialen Medien mit diesen Begrifflichkeiten. Und spielen Sie bei der nächsten Besprechung agiles Bullshit-Bingo.

#10  Arbeiten Sie in jedem Fall mit Srum
Verordnen Sie überall im Unternehmen Srum, ohne sich mit den Werten und Wirkmechanismen der Agilität zu befassen, die zu Ihrer Organisation passt. Als Ratgeber und Blaupause für die Einführung dienen zahlreiche einschlägige Bücher. Kopieren Sie daraus ein Modell und versuchen Sie es nicht, zu verstehen und auf Ihre Bedürfnisse anzupassen. Missachten Sie in jedem Fall die Bedenken Ihrer Wissens- und Bedenkenträger in ihrem Unternehmen.

Na, kommt Ihnen das eine oder andere vielleicht bekannt vor?

Vergessen wir bei allem Diskutieren über Agilität nicht, was sie im Kern bedeutet. Wahre Agile ist vor allem eins: Der Wunsch nach einer lebendigen, pulsierenden Zusammenarbeit, die uns zu kleinen, wendigen Booten macht statt zu trägen Tankern. Dies setzt zunächst ein agiles Mindset aller, speziell von Menschen in Führungsverantwortung, voraus (https://bratzel-consulting.de/agiles-mindset-update-im-denken/).

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